Ihr Lieben,

es heißt: „Wer nicht hören will, muss fühlen“ – ganz so, als wäre fühlen eine Strafe. Und früher stimmte das sogar vielleicht. Wenn wir als Kinder die mahnende Stimme unserer Eltern ignorierten und die Herdplatte trotzdem anfassten, dann fühlten wir ihn: Den Schmerz derer, die nicht zuhören können.

 

Die Schönheit von Geräuschen

Heute, als Erwachsene, fühlen Menschen, die nie zuhören, keinen Schmerz mehr – viel schlimmer noch: Sie fühlen Leere. Denn jeden Tag entgehen ihnen die wahren Schätze des Alltags: Musik und Melodien, die im Herzen Wellen schlagen, aufmunternder Gesang der Vögel, beruhigendes Rauschen alter Bäume, vertraute Stimmen der Menschen, die wir lieben.

All diese Geräusche kommen aus ganz unterschiedlichen Welten, teilen sich aber ein und dasselbe Geheimnis: Sie entfalten ihren Zauber erst dann, wenn wir uns wirklich darauf einlassen.

An manchen Tagen gelingt mir das leicht, denn da wache ich mit einem Lächeln im Herzen auf. An anderen Tagen überhöre ich die Schönheit von Geräuschen einfach. Fühle mich überrollt von meiner Stadt, hupenden Autos, nie enden wollenden Berliner Baustellen, dem unaufhörlichen Klingeln meines Handys, das mir mit jedem Geräusch sagt: Du musst immer erreichbar sein.

An solchen Tagen versuche ich all die Laute auszublenden und stattdessen die Stimme in mir zu hören. Dann ziehe ich mich zurück in die Natur und lasse mich ein auf ihr Lieblings-Geräusch: Stille.

Langsam fließt sie in mein gestresstes Herz und füllt es auf mit Zufriedenheit. Und irgendwann bin ich dann wieder soweit, in meine kleinen Alltagskämpfe zurückzukehren.

 

Wer hören will, muss fühlen

Ich schalte mein Handy von Flugmodus auf Funktioniermodus und rufe als erstes bei meiner Freundin an. Eine Stimme, die wir alle manchmal hören müssen, weil sie nichts sagt und einfach nur zuhört. So richtig zuhört. Mit Herz und Verstand.

Gehört werden ist ein Raum, indem wir sein können, wer wir möchten, sagen können, was wir fühlen, entdecken können, wo wir hinwollen. Und während deine Stimme in diesem Raum noch nachhallt, begreifst du: Als Erwachsener, kannst du das „nicht“ streichen. Heute heißt es: „Wer hören will, muss fühlen.“

Fühlen, was dein Herz sagt, fühlen, was die Herzen deiner Lieben sagen, fühlen, was die Zeichen des Lebens sagen. Nur dann entstehen die Melodien, in denen du hören kannst, wer du wirklich bist.

 

Denn Leben ist hören. Hören auf dein Herz.

Deine L*

 

„ Ich werde immer hören –
Was Dein Herz zu meinem sagt –
Vor tausend Engels-Chören –
Hab ich dich gefragt. „

(Sag es laut, Xavier Naidoo)