Ihr Lieben,

manche Gerüche haben etwas Magisches an sich. Als wären unsere Nasen kleine Zeitmaschinen, katapultieren sie uns durch Raum und Zeit – zurück zu den Momenten, die wir mit ihnen verbinden.

Süßlicher Duft von Käsekuchen im Ofen, lässt mich sofort zu einem kleinen Mädchen schrumpfen, das ungeduldig an Omas Küchentisch sitzt, nervös an der weißen Häkeldecke zieht und das erste Stück mit extra viel Rosinen kaum erwarten kann.

 

Gerüche sind kleine Erinnerungen

Irgendwann später, zurück im Heute, schiebe ich mich durch die Menge am Kurfürstendamm, bin genervt von der aufgezwungenen Nähe der Menschen, da rieche ich auf einmal ein Parfum, das mir bekannt vorkommt. Irgendein Fremder trägt es, aber eigentlich gehört es meinem aller ersten Schwarm, ersten, heimlichen Treffen im Park und einer Zeit, als ich Unsicherheit noch aufregend fand. Und auf einmal stehe ich da, mitten im Stadtgedränge, und Schmetterlinge fliegen durch meinen Bauch.

Beflügelt mache ich mich auf den Weg nach Hause, hebe mit meinem Fahrrad beinahe etwas ab, so schnell trete ich in die Pedale, und während ich vor Leichtigkeit fliege, sauge ich den Geruch meiner Stadt ein. Den Duft, der in Berlin von allen Dächern weht: Freiheit.

Und manchmal begegnet mir auch das genaue Gegenteil: Gerüche, die mich abstoßen, die mich warnen vor Momenten oder Menschen, die nicht zu mir passen – weil ich sie „nicht riechen kann“.

 

Mehr als nur ein Geruchssinn

Irgendwo habe ich mal gelesen, dass in unserer Nase mehr als nur Gerüche stecken. Sie ist ein natürliches Warnsystem vor dem, was uns nicht gut tut. Aber vor allem schafft sie das, was sonst nur wenige Organe schaffen: Sie sendet Bilder in unser Herz.

Jeder Geruch, jeder Duft ist eine Erinnerung von morgen. Ein neuer Moment von vielen wichtigen und unwichtigen, die zusammen dein Leben bedeuten.

Sie sind ein Teil deiner Identität, und je häufiger du sie beachtest, umso mehr begreifst du: Gerüche sind ein Fotoalbum für dein Herz. Gespeichert für die Ewigkeit, reicht ein vertrauter Duft, um den verlorenen Moment zu aktivieren. Um ihn dich fühlen zu lassen.

 

Weil riechen Leben ist.

Deine L*

 

„Ich mach‘ die Fenster auf – es riecht nach was Neuem
Ein and’rer Wind weht – er zieht durch die Bäume
Er bringt mir Glück mit – und ein paar Träume.“

 (Hellrot, Prinz Pi & Bosse)