So, kommenden Mittwoch ist es wieder soweit: Hier im Büro verschwinden die Süßigkeiten von den Tischen (oder werden bis dahin schleunigst aufgefuttert). Denn hier im Kollegium heißt es bis Ostern: „7 Wochen Ohne“. Damit schließen wir uns der Hälfte aller Deutschen an, die mit oder ohne religiösem Hintergrund ab Aschermittwoch Verzicht üben. In einer Zeit, wo es heißt Immer mehr! will man 7 Wochen lang bewusst Nein! sagen.


Fasten heißt bewusst leben und die Sinne schärfen

Die Zeit zwischen Aschermittwoch und Ostern bewusst zu erleben und zu gestalten erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Seit mehr als 30 Jahren lädt zum Beispiel „7 Wochen Ohne“, eine Aktion der evangelischen Kirche zum gemeinsamen Fasten ein. Der begleitende Fastenkalender steht jedes Jahr unter einem anderen Motto und gibt Fastenden Tag für Tag wunderbar gestaltete Denkanstöße in Text und Bild. Auch der gemeinnützige überkonfessionelle Verein „Andere Zeiten e. V.“ begleitet diese ganz besondere Zeit mit Fastenbriefen und Impulsen.


Die meisten Menschen verzichten auf die Klassiker Zucker, Alkohol, Nikotin oder Fleisch. Mit dem Zuwachs der Fernsehprogramme zog auch das mediale Fasten in die Haushalte ein: Erst der Verzicht auf das abendliche Berieseln vom Fernseher und seit den Sozialen Medien auch der bewusste Verzicht auf Facebook & Co. 7 Wochen lang das Handy nur zum Telefonieren nutzen!? Das ist schon revolutionär!


Mit dem inneren Schweinehund in die Arena steigen

Die Fastenzeit ist dabei immer wieder eine Herausforderung, um mit dem inneren Schweinehund in die Arena zu steigen, aber auch eine liebgewonnene Zeit, um sich neu auszuprobieren. Die Fastenzeit bietet hierfür die Chance, denn der Verzicht fällt leichter, wenn man weiß: Es ist ja (vielleicht) nicht für immer.


Und sicherlich geht es beim heutigen Fasten nicht nur um Verzicht und innere Reinigung, sondern darum neue und positive Gewohnheiten im Alltag zu etablieren. Also schlechte Gewohnheiten in gute Gewohnheiten umzuwandeln. Das braucht laut Hirnforschung mehrere Wochen und die Fastenzeit bietet dazu den perfekten Rahmen. Statt dem Jeeper nach Süßem nachzugeben heißt es jeden Tag aufs Neue Alternativen finden: Die Jacke nehmen und raus gehen oder zum Telefonhörer greifen und einen guten Freund anrufen…. Und nach einigen Kämpfen schleicht sich dann vielleicht der innere Schweinehund klammheimlich davon. Ein schönes Gefühl.


Raum für Neues

Fasten ist auch immer mit dem Beseitigen von Ablenkungen verbunden. Das heißt aber auch, dass hier Vakuum entsteht, das man erst wieder zu füllen lernen muss. Und so ein Abend ohne Fernseher oder chatten, shoppen und daddeln auf dem Smartphone kann verdammt lang werden. Da fühlt man sich manchmal, wie ein Tiger, der in seinem Käfig eingesperrt auf und ab geht. Diesen leeren Raum zu füllen, ist echt schwierig. Lässt man aber die Leere zu, können daraus wunderbare Augenblicke, Begegnungen und Neues entstehen. Endlich rafft man sich mal wieder auf, um sich zu verabreden, alte Freunde zu treffen oder gemeinsam ins Kino zugehen, statt sich zu Hause allein vom Fernseher berieseln zu lassen.


Schön, wenn man sich über diese Erfahrungen austauschen und sich gegenseitig Mut machen kann, um durchzuhalten, wie zum Beispiel in den Online-Foren der Aktionen von 7 Wochen Ohne und Andere Zeiten e. V.. Und auch über viele Gemeinden vor Ort haben Fastende die Gelegenheit zum gemeinsamen Austausch.


Fest steht: Die Fastenzeit ist jedes Jahr aufs Neue spannend und auch immer wieder die Chance für einen kleinen Neuanfang. Der Respekt vorm Schweinehund ist groß, aber die Vorfreude auf die Leichtigkeit der nächsten Wochen überwiegt.

Fastenzeit ich komme!


Eure Nina