Ihr Lieben,

es gibt viele Dinge, an die man glauben kann, weil sie einem ein gutes Gefühl im Leben geben. Und wenn es so etwas wie eine TOP 5 des Glaubens gibt, dann ist Schicksal mit Sicherheit immer unter den ersten drei.


„Dit is alles Zufall!“, würde mein Nachbar jetzt sagen. Denn Berliner sind sehr pragmatisch. Sie glauben nur an das, was sie sehen. Und jemand wie ich, der an Schicksal, Wunder und Hoffnung glaubt, spürt häufig ihren Gegenwind.


Verunsichert zieht sich mein Herz jedes Mal zurück und unterzieht sich einer kurzen Glaubensprüfung. Gibt es wirklich kein Schicksal? Kein von Gott gelenkter Plan? Ist alles nur Zufall? Die Menschen, die uns spiegeln, die Seelenverwandten, die uns lieben? Die Ängste und Zweifel, die uns warnen, wenn wir auf dem falschen Weg sind?


Nach einer Weile taucht mein Herz aus all diesen Fragen wieder auf- ohne Antworten. Ohne Wissen. Dafür mit stärkerem Glauben.


Schnell schlüpfe ich in meine Jeansjacke und gehe aus meiner Wohnung im dritten Stock. Vorbei an meinem Nachbarn im Zweiten, der sich gegen eine Werbeagentur entschieden hat und jetzt hin und wieder bei Babylon Berlin mitspielt.


Vorbei an meiner Nachbarin aus dem Ersten, die mit 70 dem Alter trotzt und sich entschieden hat, Berliner Hinterhöfe zu begrünen. Vorbei an der Familie aus dem Nullten, die lieber in Berlin Mitte wohnt als im Grünen, weil „hier mehr Leben ist“.


Als ich im Hof ankomme, da kann ich endlich in Worte fassen, woran ich stärker glaube, als ich wissen muss: Das Leben passiert, so oder so. Es gibt nur wenige Dinge, die wirklich lebensverändernd sind. Aber sie werden passieren- egal, ob Du sie Zufall oder Schicksal nennst. Und sie werden auf Deine Entscheidung warten.


Manchmal kommt Gegenwind, der Dich umhaut. Manchmal hältst Du Dich von Anfang an an dem fest, woran Du glaubst.


Und mittlerweile weiß ich, dass man über Glauben nicht diskutieren kann. Man fühlt ihn, mal stärker, mal schwächer. Wie Schicksal. Das darauf wartet, von Dir gelebt zu werden.


Deine L*

„Zufall ist das Pseudonym, das der liebe Gott wählt,
wenn er inkognito bleiben will.“
Albert Schweitzer