Eigentlich bin ich ein Mensch, der großen Wert auf Perfektionismus, Sauberkeit und Struktur legt. Eigentlich.


Zu jeder Jahreszeit passt die Deko zusammen, die Kerzen werden auf die Decke abgestimmt und die Blumen müssen mit dem Sofa harmonisieren.


Die Vorfreude auf Weihnachten war immer besonders groß! Dementsprechend habe ich dieses Fest auch zelebriert. Nein, mein Baum war nicht klein und einfach. Er war prächtig, glitzerte und meine Weihnachtskugeln leuchteten um die Wette. Gerne habe ich etwas mehr Geld investiert und über die Jahre hatte sich ein kostbares Sammelsurium angehäuft. In gewisser Weise interpretierte mein Weihnachtsbaum auch meine Persönlichkeit: Bunt, auffallend und auch ein bisschen crazy (man konnte zwischen den Ästen auch mal ein Einhorn finden). Genau das war Weihnachten für mich: Alles zusammenbringen, es wertschätzen, einfach daran erfreuen und es von Herzen machen.


The same procedure as every year! Bis sich mein Leben änderte und meine beiden Kinder (ich nenne sie Wuselwürmer) alles auf den Kopf stellten. Vorbei war die Zeit, in der ich bedenkenlos meinen Baum schmücken und die Wohnung im Glanz herrichten konnte. Denn meine Wuselwürmer bestimmten, was nun mit meiner Deko passierte… oder auch nicht. Ich stellte mir die Frage: Hast du Lust deine kostbaren, bunten und vielleicht auch kitschigen Kugeln in kleine Menschenhände zu geben, die das als „Ballllll“ identifizieren und damit anfangen Fußball zu spielen? NEIN! Ich liebe meine Kinder, aber auch meine Kugeln und ich wollte sie nicht dieser Gefahr ausliefern. Also musste ich dem Dachboden einen neuen Sinn für all meine Deko geben. Es fiel mir sehr schwer aber ich verstand: Diese Zeit wird nun anders, aber intensiv, belebt und gefühlvoll.



Ich nahm diese Veränderung zum Anlass um umzudenken. Weihnachten kam immer näher und es stand noch kein herrlich duftender Baum im Wohnzimmer und keine Lichterkette zierte die Fensterbänke. Herr Google sollte Rat wissen und ich fragte einfach, wie Weihnachten mit Kindern gestaltet werden kann. Und nach langen Recherchen kam ich auf die Inspiration es doch mal nachhaltiger zu versuchen. Innerlich sträubte ich mich, doch fasste ich auch Mut es einfach mal zu versuchen. Und ich muss sagen, dass es geht! Mein Wohnzimmer wurde geschmückt mit Orangen und Nelken, Moos, Zapfen und alles, was der Wald so hergibt. Nun wurde man nicht von Kitsch erschlagen, sondern von Spinnen und anderen Walbewohnern heimgesucht. Ich hatte Angst, meine Kinder Spielgefährten und mein Mann Spaß. Na klasse! Meine Kugeln wurden durch Salzteig ersetzt in allen Varianten, Formen und Farben. Zusammen mit meinen Kindern kamen auch durchaus kitschige, dem Einhorn Konkurrenz gebende, Kugeln raus.


Mittlerweile genieße ich den Anblick von selbst gebastelter und gesammelter Weihnachtsdekoration und das Chaos, das wir als Familie damit hinterlassen. Diese leuchtenden Kinderaugen inmitten unseres Weihnachtswaldes, was wir zusammen erschaffen haben. Es ist nicht stressfrei, aber ich nehme diese Zeit nun bewusster wahr. Ich liebe Weihnachten jetzt anders. Atme jeden Moment mit meinen Wuselwürmern ein, weil ich weiß, dass diese gemeinsame Zeit in ein paar Jahren weniger wird.


Aber dieses Jahr freue ich mich wieder darauf bald den ganzen Wald in meinem Wohnzimmer zu haben, wieder schreiend vor Spinnen wegzulaufen und meinen Kindern danach zu erklären, dass das ganz liebe Lebewesen sind und keine Monster (mit meiner Glaubwürdigkeit habe ich da einen schlechten Stand). Wir möchten uns dieses Jahr auch an selbstgemachten Geschenken probieren – Chaos vorprogrammiert. Aber am Ende habe ich wieder alles zusammengebracht, weiß es zu schätzen und erfreue mich daran, weil es von Herzen kommt.


Ich wünsche euch eine gesegnete und kuschelige Weihnachtszeit!

Eure Naghmeh