Ihr Lieben, 

früher war Einkaufen etwas, dass ich schnell nebenbei erledigt habe. Heute ist es ein Event! Ich plane Tage im Voraus, ziehe mir was Schickes an und spüre die Aufregung, fremden Menschen zu begegnen. 


Als sich die automatische Schiebetür zum heutigen Supermarkt- Event öffnet, sind wie immer schon alle vor mir da! Sie haben sich an die vorgeschriebene Kleiderordnung gehalten! Alle tragen Masken. Aber ihre inneren Werte kann ich trotzdem sehen! Manche tragen ihre Masken mit Stolz, passend zum Outfit- andere eher lieblos und pflichtbewusst. Einige tragen sie, um sich selbst zu schützen- andere schützen die, die sie lieben. Hinter meiner rosa Maske mit den weißen Punkten muss ich lächeln! Aber das kann niemand sehen. 


Weiter geht’s zu den Backwaren! Am Ende des Ganges steht ein alter Mann. Verzweifelt versucht er, an die letzte Packung Mehl im Regal zu kommen- aber schafft es einfach nicht. Seine Hilflosigkeit bricht mein Herz! Schnell schiebe ich meinen Wagen in seine Richtung. Auf einmal taucht aus dem Nichts ein junges Mädchen auf, greift ins oberste Regal und gibt dem alten Mann das Mehl. „Nehmen sie es! Ich finde bestimmt noch woanders welches!“ Dann verschwindet sie wieder! Ich vermute, dass sie hinter ihrer Maske lächelt. 


Von hinten sehe ich, wie glücklich der alte Mann ist- und mir kommen die Tränen! Die spezielle Sorte Tränen, die durch magische Momente entsteht! Die Magie der Barmherzigkeit. Sofort geht mir ein Satz aus der Bibel durch den Kopf: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ Und ich frage mich: Wie sehr lieben wir uns? Wie viel Liebe steckt hinter all unseren Masken?


Das Mädchen sah aus, als würde sie sich lieben! Sie trug eine bunte, wild verzierte Maske, liebevoll gewählte Kleidung und hatte die Aura eines Menschen, der sich selbst gut leiden kann. Vielleicht hatte sie deshalb so viel Liebe für einen Fremden übrig! Denn eines weiß ich mittlerweile über die Liebe: Meine Nächsten lieben funktioniert nicht, ohne mich selbst zu lieben! Selbstliebe ist der Boden für meinen Keim- alles, was in mir wächst, findet hier seinen Ursprung. Jeden Tag lerne ich zu lieben! Jeden Tag zeigt sich meine Liebe anders. 


An einem Tag bedeutet meine Selbstliebe ein „Nein“, am nächsten bin ich mir ein selbstgekochtes Essen wert. Mal tut mir ein langer Spaziergang mit Lieblingsmusik gut- mal ein Gespräch mit einer Freundin, die aufmerksam zuhört! Das sind die Tage, die mein Herz mit Liebe füllen – der Liebe, die ich an andere weitergebe. Ich stehe immer noch im Gang und schlucke schnell meine Tränen runter- die kann man schließlich auch mit Maske sehen. Auf geht’s zur Kasse! Ich habe alles, was ich brauche. 


Zuhause rufe ich erstmal meine Freundin an! Ich muss ihr vom heutigen Event erzählen. Davon, dass es noch Nächstenliebe gibt! Dass sie sich in selbstlosen Taten zeigt. Davon, dass unsere Masken nicht verbergen können, wenn das Göttliche in uns hervorblitzt. 


Deine L* 

„Liebe zum Nächsten- ist der Schlüssel 

zur Lösung der Probleme unserer Welt!“ 

Martin Luther King