Einzigartig ohne Ellenbogen

Bienen sind total in und Imkern ist der absolute Hype. Und überhaupt ist imkern auch nachhaltig und damit sowieso modern. Das klingt alles sehr schick – aber das ist viel zu kurz gesprungen. Dies ist nicht der Grund, warum ich seit knapp über einem Jahr gemeinsam mit einer Freundin imkere. 

Bienen sind unglaublich faszinierende, soziale Lebewesen – die aber nicht nur lieb sind. Sie haben einen einzigartigen Sozialstaat, in dem nur die Königin Eier legt, aber ohne ihren Staat hilflos wäre und nicht überleben könnte. Es gibt Drohnen, die ein schönes Leben haben und sich augenscheinlich nur um die Begattung kümmern – aber im Herbst von den Bienen nicht mehr versorgt werden und sterben. Aber ohne Drohnen kann ein Bienenstaat auch nicht überleben – deswegen legt die Königin im Frühjahr wieder Drohneneier. Es kann also keiner ohne den anderen – und alle im Staat wissen das. Der Staat ist alles, die einzelne Biene ist nichts. Und dass eine Biene ihre Ellenbogen ausfährt und ihr eigenes Ding macht, gibt es nicht! Oder anders gesagt: Sozialismus in seiner reinsten Form. 

Unsere Bienenstöcke. Auf dem Bild hat sich ein Kaninchen versteckt – wer findet es?

Doch wer hat das Sagen im Bienenstock? Wer entscheidet, ob geschwärmt wird oder nicht? Wer entscheidet, ob Zellen für die Eiablage für Bienen oder Drohnen gebaut werden? Und wer entscheidet, aus welchen Eiern Königinnen herangezogen werden? Einer alleine oder alle zusammen? Wir wissen es nicht – und sagen, es hat der Bien entschieden – was der Ausdruck ist für das gesamte Universum im Bienenstock. 

Beim Imkern ist es die Pflicht, in das Bienenvolk einzugreifen, was manchmal auch weh tut (psychisch und physisch). Dabei kommt es schon vor, dass mein Mann mir vorwirft, ich würde die Bienen einsperren und mir ins Gewissen redet, sie wieder frei zu lassen. Dann gibt es noch meine Imkerfreundin, die sich bei mir über das veranstaltete Massaker beschwert – dazu in einem späteren Blogbeitrag mehr… Warum ich überhaupt eingreife? Um das Überleben der Bienen zu sichern und um Honig zu ernten! Dazu muss man wissen, dass die Honigbiene ohne die Hilfe der Menschen ausgestorben wäre – zumindest unsere ganz normale Honigbiene hier in Europa! Gegen die Varroamilbe, die aus Asien eingeschleppt wurde, hat unsere Honigbiene kein Mittel – hier müssen wir Imker helfen. 

Und jedes Bienenvolk hat seine Eigenheiten. Wir haben vier Bienenvölker, und jedes ist anders: Das eine Volk ist teilweise ein richtiges „Aggro-Volk“. Wenn die Bienen schlecht gelaunt sind, heißt es Abstand nehmen! Sowohl ich (18 Stiche auf einmal) als auch meine Freundin (25 Stiche auf einmal) haben dies schon schmerzhaft erfahren! Das zweite Volk ist etwas träge. Das dritte Volk wiederum einfach – Entschuldigung – doof. Diesen Bienen muss man alles fünf Mal zeigen und erklären. Dann aber irgendwann haben sie es begriffen. Das vierte wiederum ist das lebhafte Volk, das aus einem ganz kleiner Ableger entstanden ist. Diesem Volk gebe ich die größten Überlebenschancen im Winter. 

Einzigartig ohne Ellenbogen
Einer meiner Bienenstock mit Königin

Imkern ist ein kontaktfreudiges Hobby, bei dem ich den Austausch mit Freunden und anderen Imkerkollegen brauche. Und ich weiß nach einem Jahr; dass ich noch lange nicht alles über Bienen weiß, sondern immer noch eine blutige Anfängerin bin. Der Nachteil bei den vielen Kontakten ist, dass jeder immer eine andere Meinung hat und in den Lehrbüchern wieder eine andere Meinung vertreten wird. Das heißt dann auch, dass das eigene Bauchgefühl wichtig ist. 

Mein Weihnachten

Eigentlich bin ich ein Mensch, der großen Wert auf Perfektionismus, Sauberkeit und Struktur legt. Eigentlich.

Zu jeder Jahreszeit passt die Deko zusammen, die Kerzen werden auf die Decke abgestimmt und die Blumen müssen mit dem Sofa harmonisieren.

Die Vorfreude auf Weihnachten war immer besonders groß! Dementsprechend habe ich dieses Fest auch zelebriert. Nein, mein Baum war nicht klein und einfach. Er war prächtig, glitzerte und meine Weihnachtskugeln leuchteten um die Wette. Gerne habe ich etwas mehr Geld investiert und über die Jahre hatte sich ein kostbares Sammelsurium angehäuft. In gewisser Weise interpretierte mein Weihnachtsbaum auch meine Persönlichkeit: Bunt, auffallend und auch ein bisschen crazy (man konnte zwischen den Ästen auch mal ein Einhorn finden). Genau das war Weihnachten für mich: Alles zusammenbringen, es wertschätzen, einfach daran erfreuen und es von Herzen machen.

The same procedure as every year! Bis sich mein Leben änderte und meine beiden Kinder (ich nenne sie Wuselwürmer) alles auf den Kopf stellten. Vorbei war die Zeit, in der ich bedenkenlos meinen Baum schmücken und die Wohnung im Glanz herrichten konnte. Denn meine Wuselwürmer bestimmten, was nun mit meiner Deko passierte… oder auch nicht. Ich stellte mir die Frage: Hast du Lust deine kostbaren, bunten und vielleicht auch kitschigen Kugeln in kleine Menschenhände zu geben, die das als “Ballllll” identifizieren und damit anfangen Fußball zu spielen? NEIN! Ich liebe meine Kinder, aber auch meine Kugeln und ich wollte sie nicht dieser Gefahr ausliefern. Also musste ich dem Dachboden einen neuen Sinn für all meine Deko geben. Es fiel mir sehr schwer aber ich verstand: Diese Zeit wird nun anders, aber intensiv, belebt und gefühlvoll.

Mein Weihnachten

Ich nahm diese Veränderung zum Anlass um umzudenken. Weihnachten kam immer näher und es stand noch kein herrlich duftender Baum im Wohnzimmer und keine Lichterkette zierte die Fensterbänke. Herr Google sollte Rat wissen und ich fragte einfach, wie Weihnachten mit Kindern gestaltet werden kann. Und nach langen Recherchen kam ich auf die Inspiration es doch mal nachhaltiger zu versuchen. Innerlich sträubte ich mich, doch fasste ich auch Mut es einfach mal zu versuchen. Und ich muss sagen, dass es geht! Mein Wohnzimmer wurde geschmückt mit Orangen und Nelken, Moos, Zapfen und alles, was der Wald so hergibt. Nun wurde man nicht von Kitsch erschlagen, sondern von Spinnen und anderen Walbewohnern heimgesucht. Ich hatte Angst, meine Kinder Spielgefährten und mein Mann Spaß. Na klasse! Meine Kugeln wurden durch Salzteig ersetzt in allen Varianten, Formen und Farben. Zusammen mit meinen Kindern kamen auch durchaus kitschige, dem Einhorn Konkurrenz gebende, Kugeln raus.

Mittlerweile genieße ich den Anblick von selbst gebastelter und gesammelter Weihnachtsdekoration und das Chaos, das wir als Familie damit hinterlassen. Diese leuchtenden Kinderaugen inmitten unseres Weihnachtswaldes, was wir zusammen erschaffen haben. Es ist nicht stressfrei, aber ich nehme diese Zeit nun bewusster wahr. Ich liebe Weihnachten jetzt anders. Atme jeden Moment mit meinen Wuselwürmern ein, weil ich weiß, dass diese gemeinsame Zeit in ein paar Jahren weniger wird.

Aber dieses Jahr freue ich mich wieder darauf bald den ganzen Wald in meinem Wohnzimmer zu haben, wieder schreiend vor Spinnen wegzulaufen und meinen Kindern danach zu erklären, dass das ganz liebe Lebewesen sind und keine Monster (mit meiner Glaubwürdigkeit habe ich da einen schlechten Stand). Wir möchten uns dieses Jahr auch an selbstgemachten Geschenken probieren – Chaos vorprogrammiert. Aber am Ende habe ich wieder alles zusammengebracht, weiß es zu schätzen und erfreue mich daran, weil es von Herzen kommt.

Ich wünsche euch eine gesegnete und kuschelige Weihnachtszeit!

Eure Naghmeh

Mein grüner Balkon

Mein Traum war es schon immer in den Garten zu gehen und aus meinem eigenen Gemüsegarten die Zucchini zu ernten, die frischen Tomaten zu pflücken auf mein frisch gebackenes Brot zulegen mit Himalaya Salz und frischem Pfeffer, dazu Schnittlauch und Petersilie. Ein Genuss. Leider ist dieser Traum bis heute nicht in solchen Dimensionen in Erfüllung gegangen.

 

Als Stadtmensch ist es schwierig auf so eine große Fläche Zugriff zu haben, aber dennoch nicht unmöglich. Heute liebe ich meinen Balkon. Ein kleines Paradies mitten im fünften Stock. Eine kleine Gartenoase mit Tomaten, Radieschen, Erbsen und vielen Kräutern, die jeden Tag mein Herz vor Freude springen lassen. Meine Nase liebt den Duft von Basilikum und Rosmarin. Ich liebe den Frühling, meinen Gemüsebalkon und meine kleine nachhaltige Wohlfühloase.

 

Gemüse auf dem Balkon

Als Stadtmensch möchte man das Feeling der Selbstversorgung nicht aufgeben. Kompromisse müssen gemacht werden, da auf einer kleinen Fläche nicht alles angepflanzt werden kann. Aber dennoch steht Abwechslung ganz vorne und der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

 

Guck Dir Deinen Balkon an. Ist er durch die Sonne lichtdurchflutet oder eher schattig? Demnach kannst Du dann auch schauen, welche Gemüsesorten sich genau für Deinen Balkon eignen. Ich liebe die Vielfalt und die Abwechslung. Allein schon aus Platzgründen bevorzuge ich die Mischkultur, das heißt, ich habe meine Obststräucher neben Schnittblumen, Kräutern und Gemüse angepflanzt. Hier gebe ich Schädlingen und Krankheuten keine Chance und nutze jeden Millimeter. Aber auch bei der Mischkultur solltest Du darauf achten, welche Gemüsesorten sich vertragen und welche lieber getrennt voneinander werden sollten.

Mein grüner Balkon

Alles ausnutzen

Tomaten, Auberginen und Gurken lieben, so wie ich, die Sonnenseite in Deinem Gemüsebalkon. Salat oder Spinat haben es lieber schattig. Ich habe Dir einige Gemüsesorten zusammengestellt:

  • Tomaten, die müssen nur vor Regen und Frost geschützt werden
  • Pflücksalat: sonnig bis halbschattiger Platz. Aussaat März bis August
  • Zuckererbsen: Lieben Sonne, die Nähe zu Dill, Salat und Radieschen. Aussaat April und Juli
  • Radieschen
  • Kräuter in allen Formen und Farben
  • Bohnen
  • Paprika
  • Spinat
  • Rucola
  • Minze
  • Koriander
  • Endiviensalat
  • Schnittlauch
  •  

Platz für die Wurzeln

Damit Du Dich auch bald in Deinem Gemüsebalkon wohlfühlst, müssen wir das Obst und Gemüse zum Wachsen bringen. Hierbei eignet sich das das Prinzip des Vertical Farmings, das heißt, wir gehen mehr in die Höhe als in die Breite. Die Wurzeln können sich optimal ausbreiten und wir haben gleichzeitig Platz gespart. Jetzt heißt es, säen, gießen, pflegen und sich auf die große Ernte freuen.

Meine Wohlfühloase – mein Gemüsebalkon.

Mit eine paar kleinen Handgriffen und Ideen lassen sich Gartenträume sehr schnell verwirklichen. Dabei muss ein Haus und ein großer Graten nicht der Rahmen dafür sein. Fast überall ist der Traum nach ein Stückchen Freiheit und Natur möglich. Die einzigen Voraussetzungen sind Erde und Licht. Macht es Euch schön und bunt auf dem Balkon, lasst Euer Herz sprechen, nehmt alte Töpfe und Kannen und gibt ihnen eine neue Funktion. Gießt, erntet und habt Freude an Eurem Selbstgeschaffenen und genießt jeden Bissen und jedes Stück Schönheit, was Ihr angepflanzt habt. Steck Deine Freunde an, teile mit Ihnen das Glück und schafft Gemeinschaft.

Eure Naghmeh

 
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